Kritische Masse

Artist Statement

Der Wunsch nach einer Verkehrswende wächst in der Gesellschaft. Es ist noch ein langer Weg für die Stadt Köln. Setzen wir uns an den Tisch „Kritische Masse“ um weiteres zu besprechen.

Ambient sound

Inspiration

Fahrradständer

In Köln wird der sehr vertraute Fahrradständer liebevoll „Haarnadel“ genannt. Was wohl an seiner äußeren Gestalt liegt. Die im oberen Bereich befindliche Kugel gibt Ihm Stabilität und verhindert das ein Fahrradschloss zu Boden fällt.

Koordinaten: 50° 56′19.7″ N, 6° 58′49.5″ O

0%
    Text & Gedanken von DIRK BÜSKEN

    Kritische Masse

    Die Sehnsucht, als Verkehrsteilnehmer in den Adern der Kölner Verkehrsräume Fluidität und ein respektvolles Miteinander erleben zu können, ist bis dato ein unerfüllter Wunschtraum: Autofahrer im Stop-and-go, gefangen in blechernen Karosserien und Radfahrer, die ihre Körper schutzlos der Umgebung ausliefern. Wo sich ihre Wege kreuzen, ist Ärger vorprogrammiert, ganz zu schweigen von ökologischen Rahmen-Debatten.

    Die Lage ist erkennbar kritisch und drängt auf Entscheidung. Kerps Tisch „Kritische Masse“ bietet sich prototypisch als Projektionsfläche für Lösungsszenarien und gleichzeitig als Verhandlungsmasse an. Werden sich Radfahrer und Autofahrer an ihm niederlassen?

    Form und Funktion des Tisches vermitteln einen Ort der Begegnung, der Ruhe und Status quo, aber auch Bewegung ausstrahlt: Die von Kölnern liebevoll „Haarnadeln“ genannten Tischbeine, die in der Realität als Abstellmöglichkeiten fungieren, realisieren durch ihre Bogenform im Kontakt mit dem Boden einen nur punktuellen Kontakt. Trotz des massiven Trägermaterials, das fraglos Sicherheit vermittelt, bleibt der Eindruck von Balance-Suche und Fragilität. Die Kugeln – fixiert am oberen Ende der Haarnadeln, das dem unteren Ende der Tischbeine entspricht – suggerieren ein Herabfallen entlang der Schwerkraft-Linie und verbleiben scheinbar in der Schwebe.

    Die runde Tischplatte, die jedem „Ansässigen“ den gleichen Abstand zum Tischmittelpunkt zusichert, vereint als Dach die Tischbeine und wird zur Bühne von Zusammenkunft und Austausch. Für die Radfahrer ist das allemal ein Anfang, jedoch noch lange nicht das Ende – sie wollen nicht nur Schwellen überfahren, sie wollen jenseits eines Schwellenwertes auf dem Kölner Asphalt die dominante Fortbewegungsart werden: geschützt, bewegt, anerkannt. Das Holzauto auf Kerps Tisch mutet an wie ein verblasster Traum aus Kindertagen. Vergangenheit, in ihrer Bedeutung überhöht, in Zukunft schon bald bedeutungslos? Wohl kaum, aber die Autofahrer werden ihren Platz im Stadtbild neu bestimmen müssen. Auf Standpunkten verharren ist keine Lösung, es braucht Wendepunkte. Zu Tisch bitte!